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Saisonales

Pferde im Winter: Tipps für Fütterung, Haltung & Bewegung

Veröffentlicht am 15. January 2025 • 10 Min. Lesezeit

Zuletzt aktualisiert: 4. Oktober 2025

Pony im verschneiten Paddock.
Der Winter ist eine ganz besondere Zeit am Ponyhof – alles sieht verzaubert aus, und die Pferde bekommen diese dicken, flauschigen Winterfelle, die sie aussehen lassen wie kleine Teddybären. Aber ehrlich gesagt: Der Winter stellt uns Pferdebesitzer vor besondere Herausforderungen. Gefrorene Tränken, verschneite Koppeln und die kürzeren Tage bedeuten oft mehr Arbeit und eine Umstellung der gewohnten Routinen. Doch wir haben gelernt: Mit der richtigen Vorbereitung und liebevollen Pflege kommen unsere Pferde gut durch die kalte Jahreszeit. Sie thriven sogar regelrecht!
Im Winter benötigen Pferde deutlich mehr Energie – allein um ihre Körpertemperatur aufrechtzuerhalten. Bei uns merken wir das besonders bei Napoleon, unserem Shetlandpony. Der kleine Kerl frisst im Winter etwa 30% mehr Heu als im Sommer! Die Basis dafür ist gutes, ausreichend vorhandenes Raufutter (Heu/Heulage).
  • Ausreichend Heu – lieber zu viel als zu wenig: Bei Minusgraden geben wir großzügig Heu. Faustregel: mindestens 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht pro Tag, am besten verteilt auf mehrere Portionen. So bleibt die Verdauung aktiv, was den Pferden innere Wärme erzeugt.

  • Angepasstes Kraftfutter: Unsere älteren Ponys wie Simon bekommen etwas Zusatzfutter, während Napoleon seine Waage (und seine Gesundheit) im Blick braucht. Hier gilt: individuell nach Bedarf.

  • Warmes Mash – das Wellness-Programm: 1–2 mal pro Woche gibt’s bei uns ein warmes Mash (mit Leinsamen, Rübenschnitzeln, etwas Honig). Das schmeckt lecker und ist super für die Verdauung und die Psyche. Unsere Pferde freuen sich sichtbar drauf!

  • Wasser – Mehrmals täglich kontrollieren: Hier müssen wir ehrlich sagen: Das ist eine der größten Herausforderungen. Gefrorene Tränken mehrmals täglich abstemmen ist Arbeit. Beheizbare Tränken sind eine Investition wert, wenn ihr sie euch leisten könnt. Alternativ: regelmäßig kontrollieren und Eis entfernen – ja, auch an kalten Morgen!

  • Salzleckstein: Oft vergessen, aber wichtig! Auch im Winter brauchen Pferde Mineralien und Elektrolyte für eine gute Gesundheit.

Auch im Winter ist regelmäßige, freie Bewegung entscheidend für die Gesundheit von Körper und Geist – für die Verdauung, für die Gelenke, für die psychische Ausgeglichenheit. Das ist nicht immer einfach umzusetzen, aber es lohnt sich!
  • Täglicher Auslauf – auch bei Kälte: Wenn möglich, kommen unsere Pferde täglich für mehrere Stunden auf einen befestigten Paddock oder eine Winterkoppel. Pferde können Kälte erstaunlich gut vertragen – viel besser als Hitze! Wichtig ist nur, dass sie nicht durchnässt herumstehen.

  • Die Halle ist unser Wintergeheimnis: Bei Glatteis oder Schneegestöber nutzen wir unsere Reithalle. Der Freilauf dort ist für die Ponys wie kostenloses Fitnessstudio. Simon und die anderen düsen dort herum wie jung und wild!

  • Angepasstes Training mit Köpfchen: Lange Aufwärmphasen im Schritt sind im Winter PFLICHT. Auf eisigem Boden verzichten wir komplett auf schnelle Gangarten oder Sprünge – das geht schnell in die Schiefslage.

  • Abwechslung für Körper UND Kopf: Cavaletti-Arbeit, Stangentraining, Gelassenheitstraining oder kleine Zirkuslektionen halten die Ponys mental fit. Bored horse is a problem horse – das ist unser Motto!

Die meisten Pferde entwickeln ein dickes Winterfell, das sie hervorragend isoliert. Unsere Ponys sehen im Winter tatsächlich wie kleine Teddybären aus – es ist zum Knuddeln! Aber dieses Fell braucht auch Aufmerksamkeit.
  • Grobe Verschmutzungen entfernen – besonders in Sattel- und Gurtlage: Vor dem Reiten ist das ein Muss. Ein schmutziges Fell unter dem Sattel führt schnell zu Druckstellen.

  • Regelmäßige Kontrolle der Haut: Haut auf Verletzungen, Scheuerstellen oder Anzeichen von Hautpilz/Milben prüfen. Der feuchte Winter ist leider ein Paradies für Pilze und Milben!

  • Trocknen nach der Arbeit – wichtig!: Ein verschwitztes Pferd muss vor der Kälte ordentlich trocknen können, sonst riskiert ihr Erkältungen. Eine Abschwitzdecke ist Gold wert.

  • Schweif- und Mähnenpflege: Verhindert Verfilzungen und bewahrt die Schönheit. Besonders wenn die Ponys im Matsch herumwühlen (was sie LIEBEN) solltet ihr nachher gründlich durchkämmen.

  • Eindecken – unsere Philosophie: Wir decken unsere robusten Ponys nur in extremen Ausnahmefällen ein. Ein natürliches Winterfell ist der beste Schutz! Viel wichtiger ist ein trockener, windgeschützter Unterstand, wo sie sich reinkuscheln können.

Nässe und Matsch sind im Winter oft unvermeidlich – und sie sind echte Feinde der Pferdegesundheit! Strahlfäule, Mauke, wunde Hufe... das will niemand erleben.
  • Trockene Liegeflächen – nicht verhandelbar: Ausreichend dicke, saubere Einstreu in Boxen oder Unterständen ist Pflicht. Wir nutzen große Mengen Stroh und misten regelmäßig aus. Ein Pony in feuchter Einstreu bekommt schnell Probleme.

  • Befestigte Bereiche strategisch platzieren: Paddockplatten, Sand oder Hackschnitzel an stark frequentierten Stellen (beim Tränken, bei der Futterstation) helfen gegen tiefen Matsch. Das spart Hufprobleme UND Arbeit!

  • Regelmäßiges Abäppeln – ja, auch auf Paddocks: Wichtig für die Hygiene, besonders auf Winterkoppeln wo die Ponys oft drinstehen.

  • Gute Drainage planen: Sicherstellen, dass Wasser ablaufen kann. Ein stehender Sumpf ist kein Paddock!

  • Tägliche Hufpflege – das A und O: Hufe täglich auskratzen und kontrollieren. Bei Nässe kann Strahlfäule schnell entstehen. Ein regelmäßiger Besuch vom Hufschmied ist im Winter auch wichtig.

Neben all den praktischen Tipps möchte ich noch eines sagen: Der Winter erfordert auch emotional mehr von uns als Pferdebesitzer. Die Pferde sind manchmal angestauter und brauchen MORE Aufmerksamkeit. Ein lustloser Blick oder eine Unpässlichkeit – das sehen wir sofort. Deshalb nehmen wir uns im Winter extra Zeit für jedes Pony. Ein paar Minuten mehr Streicheleinheiten, ein nettes Wort, ein Leckerbissen zwischendurch. Das kostet nicht viel, gibt den Pferden aber unglaublich viel psychische Stabilität. Pferde können Kälte erstaunlich gut vertragen – viel besser als Hitze! Das Wichtigste ist eine ausreichende und regelmäßige Fütterung mit genug Raufutter. Die Verdauung erzeugt Wärme von innen – das ist wie ein inneres Heizwerk. Genau deshalb geben wir im Winter so großzügig Heu!

Der Winter erfordert wirklich mehr Aufmerksamkeit bei Fütterung, Haltung und Bewegung. Aber mit guter Planung, angepassten Routinen und einem wachen Auge für die Bedürfnisse unserer Pferde wird die kalte Jahreszeit zu einer ganz besonderen Zeit. Ein Ausritt durch die verschneite Landschaft, die Ponys mit ihren dicken Winterfellen... das hat einen ganz besonderen Zauber! Und wenn man sieht, wie ausgeglichen und fit die Pferde bleiben, wenn man es richtig macht, dann weiß man, dass all die Arbeit sich lohnt.

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Wie managt ihr den Winter mit euren Pferden? Habt ihr noch weitere Tipps? Schreibt uns gerne! Wir freuen uns auf den Austausch mit anderen Pferdefreunden.
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