Saisonales
Pferde im Winter: Fütterung

Pony im verschneiten Paddock.
Für eilige Eltern (TL;DR)
- Bei Pferde im Winter: Fütterung helfen einfache Prinzipien mehr als komplizierte Sonderwege.
- Weniger Programmdruck und mehr echte Ponyzeit sorgen meist für die besten Erinnerungen.
- Gute Vorbereitung im Vorfeld spart vor Ort Stress und macht Entscheidungen leichter.
- Mit klarer Struktur wird aus einem Termin ein entspannter Tag für Kinder, Eltern und Ponys.
Wisst ihr, was ich am Winter am meisten hasse? Um sechs Uhr morgens im Dunkeln gefrorene Tränken aufhacken. Das ist wirklich nicht mein Highlight. Aber wenn die Sonne dann aufgeht, der Nebel über der Koppel steht und Napoleon antrappelt mit seinem dicken Plüschfell, dann ist alles wieder okay. Winter am Ponyhof ist anders. Alles wird ruhiger, die Tage sind kürzer, und unsere Ponys verwandeln sich in Wollknäuel auf vier Beinen. Aber es ist auch die Zeit, wo wir am meisten aufpassen müssen.
Ich erinnere mich an meinen ersten richtigen Winter hier. Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukommt. Oktober war noch mild, November ging auch noch. Aber dann kam Dezember mit richtig knackigem Frost, und plötzlich stand ich um fünf Uhr früh im Stall und hab verzweifelt versucht, eine eingefrorene Selbsttränke wieder flott zu kriegen. Mit kalten Fingern, ohne Handschuhe. Genial. Seitdem hab ich immer Ersatzhandschuhe am Hof.
Der Winter zeigt gnadenlos, wo die Schwächen in der Hoforganisation sind. Kaputte Zuleitung? Merkst du im Sommer kaum. Im Winter steht das Wasser binnen zwei Stunden fest. Undichte Dachstelle? Im Sommer ein Tropfer, im Winter ein Eiszapfen über der Futterecke. Stallkollegen, die im Sommer mal schnell einen Termin absagen? Im Winter merkst du sofort, wenn jemand fehlt. Weil die Tiere nicht warten. Die Tränke nicht wartet. Der Wetterumschwung nicht wartet.
Hier ist, was ich aus Jahren Hofleben gelernt habe, praxisnah, ohne Panik, mit vielen Beispielen.

Winter ist nicht automatisch “vorsorglich weniger tun”. Es ist eher ein anderes Tun. Man muss genau hinschauen, die Fütterung anpassen, das Stallmanagement und vor allem das Bewegungsangebot. Kinder und Eltern fragen mich oft: Muss man Ponys im Winter wärmer anziehen? Soll ich mehr füttern? Wann ist ein Pony wirklich kalt? Ich beantworte das alles, und zwar so, wie wir es hier auf dem Hof täglich praktisch umsetzen.
Und ich sag mal so: Die Antworten sind nicht immer die, die man erwartet. Zum Beispiel dachte ich anfangs, Ponys brauchen im Winter rundum Schutz. Stimmt nicht. Manche brauchen sogar mehr frische Luft als im Sommer. Und manche Dinge, die uns Menschen frieren lassen, stören ein Pony überhaupt nicht. Aber dazu gleich mehr.
Fütterung im Winter: Napoleon frisst uns die Haare vom Kopf
Okay, ich übertreibe. Aber nur ein bisschen.
Im Winter brauchen Pferde deutlich mehr Energie, um ihre Körpertemperatur zu halten. Und unsere Ponys zeigen das auch deutlich. Napoleon zum Beispiel: der ist im Sommer schon ein guter Esser, aber im Winter? Der verschwindet quasi im Heuhaufen und kommt erst im März wieder raus. Ich hab mal nachgemessen (ja, ich bin so ein Nerd): Der frisst im Winter locker 30% mehr Heu als im Sommer.
Und das hat einen guten Grund. Pferde sind Dauerfresser. In der Natur würden sie 16 Stunden am Tag grasen. Im Winter gibt es aber auf der Weide nichts zu holen. Die Wiese ist matschig, gefroren oder beides gleichzeitig. Also muss das Heu her. Und zwar ordentlich.
Was wir bei der Fütterung beachten:
Heu, Heu, Heu: Das ist die Basis. Bei Minusgraden geben wir großzügig. Faustregel: mindestens 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht pro Tag. Bei Napoleon schummeln wir gern nach oben. Die Verdauung erzeugt Wärme von innen, das ist wie eine eingebaute Heizung. Und das ist nicht nur so daher gesagt. Bei der Verdauung von Rohfaser entsteht durch mikrobielle Fermentation im Dickdarm echte Wärme. Forscher sprechen von mehreren Grad Celsius Temperatursteigerung im Körperkern. Das hilft dem Pony, auch bei Minusgraden draußen zu bleiben, ohne zu frieren.
Warum gerade Heu? Weil es langsam verdaut wird. Ein Pony, das Heu frisst, hat über Stunden hinweg Beschäftigung und Energieversorgung. Das ist wichtig, damit der Stoffwechsel nicht abstürzt. Manche Eltern fragen, ob man nicht einfach mehr Kraftfutter geben kann. Klar, kann man. Aber dann hast du ein aufge drehtes, überzuckertes Pony, das keine Lust mehr auf langsames Kauen hat und im schlimmsten Fall Magenprobleme kriegt.
Rohfaser ist Gold: Hochwertiges Heu mit gutem Faseranteil hält länger im Magen, fördert die Verdauung und gibt gleichmäßig Energie. Billiges staubiges Heu bringt wenig. Ich hab mal Heu von einem neuen Lieferanten gekauft, weil es günstiger war. Sah gut aus, roch okay. Aber nach zwei Wochen hatte Simon Husten. Nicht dramatisch, aber deutlich. Wir sind zurück zum alten Lieferanten, und der Husten war weg. Heu ist nicht gleich Heu.
Es gibt regionalen Unterschied. Heu von Bergwiesen ist oft artenreicher und enthält mehr Kräuter. Das ist super für die Gesundheit, kostet aber mehr. Heu von großflächigen Mähwiesen ist günstiger, oft aber auch eintöniger. Wir kaufen meistens eine Mischung: Basis ist solides Wiesenheu, dazu einmal im Monat Bergwiesenheu als Bonus. Die Ponys lieben es.
Kraftfutter dosieren: Wenn ein Pony wenig in Bewegung ist, ist zu viel Kraftfutter Gift. Bei älteren Ponys oder sehr dünnen Ponys geben wir kleine Portionen mit leicht verdaulichen Energieträgern, besser oft in kleinen Mengen als einmal viel. Warum? Weil der Pferdemagen relativ klein ist. Er ist nicht für große Mengen auf einmal ausgelegt. Stopfst du zu viel rein, läuft das Futter zu schnell durch, die Bakterien im Darm kommen nicht hinterher, und es gibt Koliken oder Durchfall.
Bei Simon haben wir im Januar gemerkt, dass er an Kondition verliert. Er war nicht dick, aber auch nicht schlank. Wir haben sein Heu leicht erhöht und einen Esslöffel Leinöl über die Tagesration gegeben. Leinöl liefert hochwertige Omega-3-Fettsäuren, macht das Fell glänzend und gibt Energie, ohne den Magen zu belasten. Zwei Wochen später war er wieder fit. Kein Drama, nur Beobachtung und Anpassung.
Wasser nicht vergessen: Heu enthält kaum Feuchtigkeit. Deswegen trinken Pferde im Winter oft genauso viel oder sogar mehr als im Sommer, wenn die Selbsttränke funktioniert. Achtet auf funktionierende Tränken. Napoleon hat einmal fast wegen einer kaputten Tränke einen Magenstau bekommen. Seitdem kontrolliere ich morgens doppelt.
Wie erkennst du, dass ein Pony zu wenig trinkt? Ganz einfach: HautfalteTest. Du ziehst am Hals eine Hautfalte hoch. Wenn die Haut sofort zurückgeht, ist alles gut. Wenn die Falte stehen bleibt, ist das Tier dehydriert. Dann sofort Wasser anbieten, notfalls handwarm, und wenn es nicht trinkt, den Tierarzt rufen.
Ein anderes Anzeichen ist dunkler, konzentrierter Urin. Oder wenn das Pony keinen Appetit mehr hat, obwohl es vorher normal gefressen hat. Ein Pferd ohne Wasser kann innerhalb von zwei Tagen massive Probleme kriegen. Deswegen ist die Tränke im Winter absolut prioritär.
Praxistipp: Wir haben an jeder Tränke einen kleinen Aufkleber: “Morgens checken, mittags checken, abends checken”. Klingt übertrieben, aber es hat schon dreimal geholfen, eingefrorene Leitungen rechtzeitig zu bemerken, bevor die Ponys leiden.
Elternfrage im Text beantwortet: Muss mein Kind extra Futter mitbringen? Nein. Bei uns ist der Futterstrom geregelt. Wir füttern nach Bedarf und nach Plan. Wenn euer Kind gern eine Möhre geben will, machen wir das kontrolliert und zeigen, wie man das sicher macht, ohne dass das Pony schnappt. Eine Möhre ist okay. Zehn Möhren sind ein Problem. Und Brot ist tabu, weil es im Pferdemagen aufquillt und Koliken auslösen kann.
Eine Mutter hat einmal gefragt, ob ihr Kind dem Pony im Winter Äpfel geben darf. Grundsätzlich ja, aber in Maßen. Zu viele Äpfel können bei manchen Ponys zu Durchfall führen, besonders wenn sie es nicht gewohnt sind. Wir schneiden Äpfel in kleine Stücke, damit die Kids sehen, wie viel sie geben, und das Pony sich nicht verschluckt.
Und noch was: Manche Eltern bringen Leckerlis mit. Das ist lieb gemeint, aber oft problematisch. Viele handelsübliche Leckerlis enthalten Zucker und Melasse. Das ist für Ponys mit Stoffwechselproblemen wie Hufrehe oder Cushing echt gefährlich. Wir haben deswegen eine Liste mit erlaubten Snacks an der Stallwand hängen: Möhren, Äpfel in Maßen, getrocknete Kräuter. Alles andere bitte vorher fragen.
Praxisbeispiel: Simon, unser sportlicher Kerl, verliert im Winter etwas Kondition. Wir erhöhen sein Heu leicht und ergänzen mit einem kleinen Ölzusatz für zusätzliche Energie. Er bleibt fit, aber nicht pummelig. Immer mit Maß und Ziel.
Ein weiteres Beispiel: Penelope hat eine empfindliche Verdauung. Bei ihr achten wir im Winter besonders darauf, dass das Heu staubfrei ist. Wir wässern es manchmal leicht, damit eventuelle Staubpartikel gebunden werden. Seitdem hustet sie deutlich weniger. Das kostet zwar zehn Minuten mehr pro Fütterung, aber es lohnt sich.
Fellpflege und Winterfell: Was hilft wirklich
Ponys wachsen ein Winterfell, damit sie wärmer bleiben. Manche Besitzer sind unsicher: Soll man das Fell scheren? Meine Antwort: Kommt drauf an. Wenn das Pony in einer Heizanlage oder viel bewegt wird, scheren wir im Übergang, damit es nicht überhitzt. Für die meisten Freizeitponys ist das natürliche Winterfell ein großartiger Schutz.
Das Winterfell ist ein echtes Wunder der Natur. Es besteht aus zwei Schichten: einer dichten Unterwolle, die wie Daunen isoliert, und längeren Deckhaaren, die Regen und Schnee abweisen. Dazwischen bildet sich eine Luftschicht, die als zusätzlicher Puffer wirkt. Deshalb sehen Ponys im Winter so pummelig aus, auch wenn sie nicht zugenommen haben. Das ist reines Fell-Volumen.
Interessant ist: Das Fell beginnt schon im Herbst zu wachsen, sobald die Tage kürzer werden. Das hat weniger mit den Temperaturen zu tun als mit der Tageslänge. Das bedeutet auch, dass Ponys, die in beleuchteten Ställen stehen, manchmal später oder weniger Winterfell bekommen. Bei uns stehen die Ponys im Offenstall, da regelt die Natur das selbst.
Was wir tun:
Regelmäßig striegeln: Das entfernt Schmutz, fördert die Durchblutung und hilft dem Fell, seine Isolationswirkung zu behalten. Aber Achtung: Im Winter niemals das Fell bis auf die Haut bürsten, sonst zerstörst du die isolierende Luftschicht. Wir nutzen weiche Bürsten und arbeiten in Richtung des Fellwuchses. Gerade nach dem Wälzen im Matsch sehen die Ponys aus wie Schweine. Aber ein bisschen Dreck ist nicht schlimm. Im Gegenteil, er bildet sogar eine zusätzliche Schutzschicht.
Eine Mutter hat mal gefragt, ob sie das Pony nach dem Reiten abduschen soll, wie im Sommer. Klare Antwort: Nein. Im Winter bleibt das nasse Fell ewig feucht. Selbst mit Abschwitzdecke trocknet es nur langsam. Wenn ein Pony nach der Bewegung schwitzt, lassen wir es an der Hand trocken laufen. Dann mit einem Strohwisch das gröbste abnehmen und fertig.
Auf Scheuerstellen achten: Gerade unter Sattel und Gurt kann sich im Winter bei feuchtem Fell schnell Scheuerbildung entwickeln. Wir kontrollieren regelmäßig die Stellen hinter den Ohren, unter dem Bauch und an den Beinen. Wenn wir eine wunde Stelle sehen, pausieren wir sofort mit dem Reiten, bis es verheilt ist. Scheuerbildung kann sich schnell entzünden, besonders bei Feuchtigkeit.
Bei Chica hatte wir einmal eine kleine Scheuerstelle am Widerrist. Ich hatte den Sattel nicht perfekt angepasst, und durch das dickere Winterfell lag er anders. Wir haben zwei Wochen nur Bodenarbeit gemacht, die Stelle mit Wundsalbe behandelt, und danach den Sattel neu gepolstert. Seitdem achte ich besonders drauf.
Decken mit Bedacht: Eine leichte Decke beim starken Regen ist sinnvoll. Kein Dauer-Deckeneinsatz, damit das Fell seine Funktion nicht verliert. Ich bin ehrlich: Ich bin kein Fan von Decken. Aber es gibt Situationen, wo sie Sinn machen. Zum Beispiel bei geschorenen Ponys. Oder wenn ein altes Pony nicht mehr genug Winterfell bekommt und friert. Dann nutzen wir eine leichte Regendecke, die nur vor Nässe schützt, aber nicht zu warm hält.
Simon trägt manchmal eine Decke, wenn es stark regnet und stürmt. Nicht, weil er friert, sondern weil er unter einem undichten Unterstand steht, und ich nicht möchte, dass er durchnässt wird. Aber sobald der Regen aufhört, kommt die Decke runter. Sonst schwitzt er darunter.
Ein Pro-Tipp für Eltern: Wenn euer Kind das Pony putzen will, zeigt ihm, wie man vorsichtig arbeitet. Gerade im Winter sind manche Stellen empfindlich. Die Beine, der Bauch, die Ohren. Manche Ponys mögen es nicht, wenn man zu fest drückt. Wir üben mit den Kids erstmal an einer Stoffpuppe, wie fest man bürsten darf. Klingt albern, aber es hilft wirklich.
Praxisbeispiel: Chica, die eigentlich unempfindlich ist, bekam einmal Angst, weil ein Kind beim Putzen zu ruppig war und an einer Stelle zog. Das hat zwar nicht wehgetan, aber sie hat gezeigt, dass im Winter Berührungsempfindlichkeiten entstehen können. Seitdem arbeiten wir mit langsamem Einführen neuer Hilfsmittel.
Ein weiteres Beispiel: Napoleon liebt es, gebürstet zu werden. Der stellt sich hin und döst einfach weg. Aber im Winter mag er es nicht, wenn man die Bürste zu nah an den Bauch bringt. Da ist seine Haut empfindlich, besonders wenn es kalt ist. Also bürsten wir da nur ganz leicht oder lassen es ganz. Er dankt es uns, indem er ruhig stehen bleibt.
Elternfrage im Text beantwortet: Muss mein Kind das Pony bürsten? Ja, unbedingt. Putzen ist Training für Feinmotorik, Geduld und Verantwortungsgefühl. Wir erklären, wie man sicher und sinnvoll bürstet, ohne das Tier zu stressen. Und es ist auch eine schöne ruhige Tätigkeit, gerade an kalten Tagen, wo man nicht so viel draußen machen kann.
Putzen ist mehr als Sauberkeit. Es ist Beziehungsarbeit. Ein Kind, das lernt, ein Pony sanft zu putzen, lernt auch, auf Körpersprache zu achten. Wenn das Pony die
Ohren anlegt, heißt das: Lass mich in Ruhe. Wenn es den Kopf senkt und entspannt, heißt das: Das fühlt sich gut an. Diese kleinen Signale zu lesen, das ist echte Pferdesprache. Und die lernt man beim Putzen.
Gesundheit: Immunsystem, Atemwege und Parasiten
Im Winter passieren andere Dinge als im Sommer. Atemwegsprobleme durch muffiges Heu, Stoffwechselthemen bei dicken Ponys, oder eben die klassische Kotprobe vs. Wurmkur-Debatte. Wir sind vorsichtig, aber nicht panisch.
Das Immunsystem von Pferden ist im Winter stärker gefordert. Kälte, Nässe, weniger Sonnenlicht, das alles belastet den Körper. Aber Pferde sind robuster, als viele denken. Ein gesundes Pony mit gutem Futter und Bewegung kommt mit minus zehn Grad locker klar. Probleme entstehen meist durch Fehler in der Haltung: zu wenig Bewegung, schlechte Luft, minderwertiges Futter.
Luftqualität: Gelegentlich lüften wir Boxen mehrfach täglich, auch bei Kälte. Frische Luft ist besser als warme Stube mit schlechten Dämpfen. Ein gut gelüfteter Stall reduziert Hustenrisiko. Ich hab das mal bei einem anderen Stall gesehen, wo die Boxen im Winter komplett dicht gemacht wurden, damit es warm bleibt. Ergebnis? Nach vier Wochen hatten drei von fünf Ponys Husten. Die Luft war voller Ammoniak von Urin und Mist, dazu kam Feuchtigkeit. Das ist der perfekte Nährboden für Atemwegsprobleme.
Bei uns gilt: Lieber kalt und frisch als warm und stickig. Wir haben große Fenster, die wir täglich öffnen, auch bei Minusgraden. Morgens für eine halbe Stunde, mittags nochmal. Die Ponys stehen dabei nicht im Durchzug, aber die Luft wird ausgetauscht. Das macht den Unterschied.
Ein weiteres Problem im Winter: Staub im Heu. Wenn Heu nicht richtig getrocknet wurde oder falsch gelagert, wird es muffig. Schimmelsporen und Staub reizen die Lungen. Manche Pferde reagieren mit chronischem Husten, andere bekommen regelrecht Asthma. Wir kontrollieren jedes Heubündel vor dem Füttern. Riecht es komisch? Weg damit. Sieht es grau oder fleckig aus? Weg damit. Lieber ein paar Euro mehr ausgeben als monatelang Tierarztkosten.
Hufpflege: Wenn Hufe im Nass-Schnee lange nass bleiben, können sich Probleme entwickeln. Regelmäßige Hufpflege schützt. Hufe sind im Winter besonders anfällig. Matsch, Nässe, Kälte, das alles greift das Hufhorn an. Wir kratzen die Hufe mindestens einmal täglich aus, oft auch zweimal. Gerade im Strahl, der Vertiefung in der Mitte des Hufs, kann sich Feuchtigkeit sammeln. Wenn die nicht regelmäßig raus kommt, entsteht Strahlfäule. Das riecht übel und ist schmerzhaft fürs Pony.
Bei Napoleon hatten wir im letzten Winter eine leichte Strahlfäule. Ich hab es zu spät gemerkt, weil ich dachte, der Matsch macht nix. Hat er aber. Wir haben täglich den Huf gereinigt, mit spezieller Tinktur behandelt, und nach zwei Wochen war es weg. Seitdem bin ich pingelig beim Hufcheck.
Ein Pro-Tipp: Wenn ein Pony humpelt, immer zuerst den Huf kontrollieren. Oft ist ein Steinchen drin oder Matsch hat sich festgesetzt. Manchmal ist der Huf auch nur empfindlich, weil er lange nass war. In neun von zehn Fällen ist es nichts Dramatisches, aber man sollte es ernst nehmen.
Parasitenmanagement: Wir fahren selektive Entwurmung. Alle vier Monate Kotprobe, je nach Befund handeln. Das spart Mittel und schützt die Umwelt, und ja, es hilft den Mistkäfern auf der Weide. Früher wurde viermal im Jahr blind entwurmt. Das hat dazu geführt, dass viele Würmer resistent wurden. Heute weiß man: Nicht jedes Pferd braucht jedes Mal Wurmkur.
Wir sammeln von jedem Pony eine Kotprobe und schicken sie ins Labor. Nach drei Tagen haben wir das Ergebnis. Wenn der Befund unter einem bestimmten Schwellenwert liegt, wird nicht entwurmt. Wenn er drüber ist, kriegt das Pony die Wurmkur, die genau auf die vorhandenen Parasiten abgestimmt ist. Das ist zielgerichtet, schonend und umweltfreundlich.
Praxisbeispiel: Bei Penelope hatten wir im Februar einen leicht erhöhten Befund an Strongyliden. Wir haben reagiert, das richtige Mittel gewählt, und zwei Wochen später war alles weg. Hätte man blind entwurmt, wäre das Mittel vielleicht wirkungslos geworden, weil es gegen andere Würmer gewirkt hätte, die gar nicht da waren.
Ein weiteres Thema: Stoffwechselprobleme. Manche Ponys neigen im Winter zu Übergewicht, wenn sie weniger bewegt werden,aber trotzdem viel fressen. Das kann gefährlich werden, besonders bei Ponys, die zu Hufrehe neigen. Wir wiegen unsere Ponys regelmäßig mit einem Maßband. Klingt komisch, funktioniert aber. Man legt das Maßband um den Brustkorb und kann anhand einer Tabelle das ungefähre Gewicht ablesen. Wenn ein Pony zu
nimmt, reduzieren wir das Heu leicht oder erhöhen die Bewegung.
Elternfrage im Text beantwortet: Darf mein Kind beim Misten helfen? Ja. Aber unter Aufsicht. Misten ist ein prima Trainingsfeld für Motorik und Verantwortungsbewusstsein. Und es ist echt anstrengend, also auch gutes Fitnessprogramm. Wir zeigen den Kids, wie man die Mistgabel hält, wie man Mist von Einstreu trennt, und wo der Mist hinkommt. Manche Kinder finden es eklig, andere lieben es. Das ist okay. Wichtig ist, dass sie lernen: Pferde machen Dreck, und der muss weg.
Eine Mutter hat mal gefragt, ob Misten gefährlich ist wegen Krankheiten. Grundsätzlich nein, solange man sich danach die Hände wäscht. Pferdekot ist nicht giftig, aber er enthält Bakterien, wie jeder Kot. Deswegen tragen wir beim Misten Handschuhe, und danach wird gründlich gewaschen. Kinder bekommen eine einfache Schutzausrüstung: Handschuhe, feste Schuhe, fertig.
Bewegung & Sicherheit: Warum wir nicht einfach stundenlang drinnen lassen
Es ist verlockend, bei Kälte weniger zu reiten. Aber Bewegungsmangel ist gefährlich. Ponys brauchen Bewegung für Kreislauf, Verdauung und Psyche.
Pferde sind Lauftiere. In freier Wildbahn legen sie täglich 20 bis 30 Kilometer zurück. Nicht im Galopp, sondern im gemütlichen Schritt, grasend, wandernd. In der Stallhaltung fällt das weg. Deswegen müssen wir dafür sorgen, dass die Ponys auch im Winter genug Bewegung kriegen. Sonst werden sie träge, dick, und ihr Kreislauf fährt runter.
Ein Pony, das den ganzen Tag in der Box steht, entwickelt mit der Zeit Probleme. Die Verdauung wird langsamer, weil Bewegung die Darmt ätigkeit anregt. Die Muskulatur baut ab. Die Psyche leidet, weil Pferde Beschäftigung brauchen. Ich hab das mal bei einem Pferd gesehen, das wochenlang nur in der Box stand. Das war unruhig, hat gegen die Wand getreten, war aggressiv. Sobald es wieder regelmäßig raus durfte, war es wie ausgewechselt.
Kurze, regelmäßige Bewegung: Lieber täglich 15 bis 20 Minuten spazieren oder geführt arbeiten als einmal die Woche lange. Das ist besonders wichtig bei älteren Ponys oder solchen mit Gelenkproblemen. Lange Pausen schaden mehr, als sie nutzen. Wir führen unsere Ponys jeden Tag mindestens einmal raus, auch bei Schnee. Manchmal ist es nur ein Rundgang über den Hof, manchmal ein längerer Spaziergang. Hauptsache, sie bewegen sich.
Bodenarbeit und Bodenprogramm: Bodenarbeit stärkt die Muskulatur ohne langen Galopp. Für Kinder oft sicherer und lehrreicher. Wir bauen kleine Parcours auf: ein Cavaletti, ein Pylonen-Slalom, ein paar Stangen zum Drüberlaufen. Die Ponys lernen, sich zu konzentrieren, und die Kinder lernen, wie man ein Pony sicher führt. Das ist echtes Training, auch wenn man nicht drauf sitzt.
Ein Beispiel: Letzten Winter hatten wir eine Woche mit Eisglätte. Reiten war zu gefährlich. Also haben wir in der Halle Bodenarbeit gemacht. Die Kids haben gelernt, wie man ein Pony rückwärts richtet, wie man es um Hindernisse lenkt, wie man es zum Stehen bringt. Das hat ihnen mehr gebracht als drei normale Reitstunden, weil sie wirklich verstehen mussten, wie ein Pony denkt.
Gruppenaktivitäten im Warmen: Theorienachmittage, Putzen unter Anleitung, oder kleine Spiele im Trockenen sind sinnvoll bei Sturm oder Eis. Wir machen manchmal Stallquiz: Welches Pony frisst wie viel? Wie erkennt man Hufrehe? Was tun bei Kolik? Die Kids lieben es, und sie lernen nebenbei eine Menge.
Praxisbeispiel: In einem frostigen Januar haben wir statt Reiten eine Bodenarbeit-Woche gemacht. Tickende Zeit? Nein. Die Kinder haben Balancierübungen am Pony gelernt, das stärkte ihre Motorik, und die Ponys waren glücklich, weil sie Abwechslung hatten.
Ein anderes Beispiel: Ein Mädchen hatte Angst, bei Kälte zu reiten, weil ihr Pony im Winter schneller war als im Sommer. Wir haben ihr erklärt, dass Ponys bei Kälte oft temperamentvoller sind, weil die frische Luft sie wach macht. Wir haben eine Woche lang nur Schritt geritten, bis sie sich sicher fühlte. Danach klappte es problemlos.
Elternfrage im Text beantwortet: Wie kalt ist zu kalt? Für uns ist minus zehn Grad selten ein Grund, abzusagen, wenn der Boden begehbar ist. Aber bei starkem Wind, Eis oder Frost mit Wind Chill, verschieben wir. Sicherheit geht vor. Wenn der Boden gefroren und rutschig ist, reiten wir nicht. Das Verletzungsrisiko ist zu hoch. Dann machen wir Bodenarbeit oder Indoor-Programm.
Eine Mutter hat mal gefragt, ob ihr Kind sich beim Reiten im Winter erkältet. Nein, normalerweise nicht. Kinder sind draußen, bewegen sich, sind dick angezogen. Erkältungen kriegt man eher in geheizten Räumen. Aber wir achten drauf, dass die Kids nach dem Reiten nicht verschwitzt rumstehen. Jacke zu, Mütze auf, fertig.
Kosten & Planung: Warum Winter manchmal teurer ist
Mehr Heu, gelegentliche Zusatzfutter, beheizte Tränken, ja, Winter kostet. Ich sage das klar, damit Eltern nicht überrascht sind.
Im Sommer frisst ein Pony vielleicht eine Balle Heu pro Woche. Im Winter sind es eineinhalb bis zwei. Das summiert sich. Dazu kommen eventuell Zusatzfutter wie Öl oder spezielles Mineralfutter. Und wenn die Tränke elektrisch beheizt ist, schlägt das auch auf die Stromrechnung. Manche Höfe geben die Mehrkosten an die Einsteller weiter, andere nicht. Bei uns sind die Grundkosten im Winter etwas höher, aber wir kommunizieren das im Vorfeld.
Budget-Tipp: Vorräte an Heu anlegen, weil Liefersituationen im Winter stressig werden können. Wir kaufen im Herbst immer eine große Ladung Heu, die für den ganzen Winter reicht. Erstens ist es dann günstiger, zweitens haben wir keine Lieferengpässe. Letztes Jahr gab es im Februar einen Engpass, weil viele Bauern ihr Heu schon verkauft hatten. Wer dann noch nachkaufen musste, zahlte das Doppelte. Wir hatten Glück, weil wir vorgesorgt hatten.
Gruppenrabatte: Manche Höfe bieten Paketpreise für Winterstunden an. Fragt nach. Wir haben ein Winterpaket: zehn Stunden für den Preis von acht. Das lohnt sich für Familien, die regelmäßig kommen. Und es motiviert dazu, auch im Winter dran zu bleiben, statt Pause zu machen.
Praxisbeispiel: Ein Stallkollege hat einmal mitten im Winter Lieferschwierigkeiten gehabt. Wir haben ausgeholfen. Das zeigt: Vernetzung hilft. Eltern können sich auch organisieren und eine kleine Heuliste anlegen. Wenn mehrere Familien zusammen bestellen, wird es günstiger.
Ein anderes Thema: Versicherung. Manche Eltern fragen, ob im Winter eine spezielle Versicherung nötig ist. Nein. Die normale Haftpflicht
und Unfallversicherung deckt das ab. Aber es ist wichtig, dass das Kind vernünftig angezogen ist. Helm, feste Schuhe, warme Kleidung. Wir haben auch Ersatzhandschuhe am Hof, falls jemand seine vergisst.
Elternfrage im Text beantwortet: Muss ich extra bezahlen für Winterpflege? Bei uns sind Standardmaßnahmen wie erhöhte Heugaben und regelmäßige Tränkekontrollen in den Stallpauschalen enthalten. Spezielle Leistungen wie Scheren oder intensive Therapie sind extra. Wir rechnen transparent ab, damit es keine bösen Überraschungen gibt.
Eine Familie hat mal gefragt, ob sie im Winter weniger zahlen kann, weil sie seltener kommt. Grundsätzlich nein, weil die Pferde ja trotzdem da sind und versorgt werden müssen. Aber wir sind kulant: Wer längere Zeit ausfällt, kann seine Stunden pausieren und später nachholen. Das ist fairer, als einfach zu kündigen und im Frühling neu anzufangen.
Praktische Checkliste fürs Pferde-Winterwochenende
Hier sind die wichtigsten Dinge, die ihr mit eurem Kind regelmäßig am Hof macht. Kurz, praktisch, ohne Bullshit.
- Tränke-Check: Morgens, mittags, abends. Eis entfernen, Wasser nachfüllen. Das ist die Nummer eins Priorität. Ein Pony ohne Wasser ist innerhalb von Stunden in Gefahr. Wir haben am Stall eine Routine: Erster, der morgens ankommt, checkt die Tränken. Letzter, der abends geht, checkt nochmals. Dazwischen mindestens einmal mittags. Wenn Eis drin ist, raus damit. Mit einem Hammer vorsichtig aufklopfen oder heißes Wasser nachgießen.
Ein Praxistipp für Zuhause: Wenn ihr ein eigenes Pony habt und die Tränke ständig einfriert, lohnt sich eine beheizte Tränke oder ein Heizstab. Kostet vielleicht hundert Euro, spart aber Nerven und schützt die Gesundheit des Pferds. Bei uns haben wir frostfreie Leitungen verlegt, das war teurer, aber es lohnt sich langfristig.
- Huf-Check: Kurzer Abtast-Check auf Wärme, Hufzustand, Fremdkörper. Das geht in zwei Minuten. Du hebst jeden Huf einzeln an, fühlst mit der Hand, ob der Huf warm ist (das würde auf eine Entzündung hindeuten), kratzt Matsch und Steine raus, und schaust, ob alles okay aussieht. Wenn der Strahl schwarz oder schmierig ist, kann das eine Infektion sein. Dann sofort behandeln oder den Schmied rufen.
Bei Napoleon hatten wir mal einen kleinen Stein, der sich festgeklemmt hatte. Der ist nicht gehumpelt, aber als ich den Huf kontrolliert hab, hab ich den Stein gesehen. Hätte ich ihn nicht rausgemacht, hätte er einen Abszess verursachen können. Deswegen: Täglich kontrollieren, auch wenn nichts auffällig ist.
Kinder lernen das schnell. Wir zeigen ihnen, wie man den Huf sicher anhebt, wie man den Hufkratzer hält, und worauf man achten muss. Manche Kids haben anfangs Angst, weil Hufe schwer sind. Aber mit Übung kriegen sie das hin. Und es ist eine super Übung für Verantw ortung und Körperwahrnehmung.
- Bewegungsplan: 10 bis 20 Minuten an der Hand, oder Bodenprogramm. Bewegung ist Schutz. Selbst wenn das Wetter mies ist, gehen wir mindestens eine kleine Runde. Das hält das Pony fit und verhindert, dass es steif wird. Bei älteren Ponys ist das besonders wichtig, weil ihre Gelenke schneller einrosten.
Wir variieren die Bewegung: Mal ein Spaziergang, mal Bodenarbeit, mal Führtraining. Das bleibt spannend für Pony und Kind. Und es trainiert unterschiedliche Fähigkeiten. Ein Spaziergang trainiert Ausdauer, Bodenarbeit trainiert Konzentration, Führtraining trainiert Kommunikation.
Praxisbeispiel zum Schluss: Letzten Januar hatte ein Mädchen Angst, weil ihr Pony beim Frost etwas langsamer war. Wir haben ihr gezeigt, wie man den Hufpuls fühlt, was warm und kalt bedeutet, und wie wir im Notfall kühlen. Sie hat sich danach sicherer gefühlt und war stolz, ihrem Pony geholfen zu haben.
Noch ein Beispiel: Ein Junge wollte nicht bei Kälte zum Stall kommen, weil er dachte, das Pony will nicht raus. Wir haben zusammen beobachtet, wie die Ponys draußen rumtoben, trotz Schnee. Das hat ihm gezeigt: Ponys haben kein Problem mit Winter, solange sie sich bewegen dürfen. Seitdem kommt er wieder regelmäßig.
Das Wichtigste am Winter ist: Routine. Wenn ihr regelmäßig kommt, die Basics checkt, und aufmerksam seid, ist Winter kein Problem. Im Gegenteil, viele Kinder lieben den Winter am Stall, weil es ruhiger ist, weil Schnee magisch ist, und weil man die Ponys viel intensiver erlebt.
-
Tränke auf Eis prüfen (3x täglich)
-
Hufe auf Wärme & Steine kontrollieren
-
20 Min. Bewegung (Spaziergang/Bodenarbeit)
-
Kurzer Fell-Check (Scheuerstellen?)
-
Equipment trocknen (Decken/Gamaschen)
Kontakt Wärme, Pflege oder Fragen?
Wenn ihr spezielle Fragen habt, kommt vorbei oder schreibt mir. Ich zeig eurem Kind gern, wie wir morgens die Tränken checken, wie man richtig striegelt und wie man einen Pferdekörper sicher anfasst. Und wenn Napoleon will, gibt’s hinterher einen dicken Schmatzer.
Passendes Angebot auf dem Ponyhof
Wenn du das Thema praktisch angehen willst, ist dieses Angebot der naechste sinnvolle Schritt.


